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Lebenshöfe – Wo Tiere Personen sein dürfen.
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Verzeichnis der Lebenshöfe:
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00:01:58 Happy Lazy Farm
00:08:33 Gut Rannersjosl
00:23:32 Hofzeit Projekt
00:25:25 Glückshof Fridolin
00:31:24 Schweinehunde e. V.
00:45:30 Sunny Farm
00:47:32 Pegasus
00:52:51 Sanamuhrium – Weil Tiere lieber leben
00:59:09 Butenland
01:07:10 Fell- und Federglück
01:13:06 Glückliche Inseltiere
01:22:10 Glückhof
01:27:26 In der Espe
01:31:24 Schloss Hattenbach
01:32:47 Stoppels offener Lebenshof
01:39:33 Unter derselben Sonne
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Fußnoten:
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[1]
(0:12:13) Laut dem Tierarzt Dr. Karim Montasser würden heutige Schafe von einer Urform des Mufflons abstammen, welches ursprünglich auf steinigem Untergrund im Gebirge gelebt habe. Durch das Leben der daraus gezüchteten Schafe auf feuchtem Untergrund im Flachland würden sich in den stetig feuchten Klauen regelmäßig Bakterien ansiedeln, was zu einer Moderbildung führe. (Vgl. Karim Montasser: Das Tierwohl-Paradox, S. 22 ff.)
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(0:21:10) Anmerkung von Lebenshof Gut Rannerjosl:
Was man in dieser Aufnahme sieht: es handelt sich um eine Taschenlampe mit der ich durch den Hals von Huhn Ellen leuchte, damit Thomas exakt erkennen wo die Luftröhre liegt. Damit können wir einfacher und sicherer (als nur in den Schnabel zu spritzen) Medikamente verabreichen und in dem Fall mussten wir leider auch mit einer Sonde zwangsernähren.
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(0:22:34) Anmerkung von Lebenshof Gut Rannerjosl: Hallo Peter, […]
Was du in unserem Take beobachtet hast und ansprichst, ist tatsächlich ein häufiges Verhalten bei Wassergeflügel, insbesondere bei Erpeln während der Paarungszeit. Die Szene zeigt eine Paarungssituation, wie sie in freier Wildbahn ebenso vorkommt – inklusive Festhalten am Nacken+Kopf und kurzzeitiges Untertauchen, was für uns Menschen oft brutal wirkt, für Enten aber leider zur Natur dazugehört. Auch dass dabei das Gefieder am Hinterkopf der Ente angegriffen wird, kommt häufiger vor, vor allem wenn mehrere Paarungen in kurzer Zeit stattfinden. Da wir die Fortpflanzung am Lebenshof verhindern (indem wir die Eier entwenden), wiederholt sich als Nachteil davon diese Paarungssituation, gerade während der Brutzeit, über einen längeren Zeitraum.
Uns ist natürlich bewusst, dass dieses Verhalten belastend für einzelne Tiere sein kann. Deshalb treffen wir gezielt Maßnahmen um besonders häufig bestiegene Enten zu schützen: Wir halten die Tiere während der Paarungszeit in zwei Gruppen mit ausgewogenem Verhältnis zwischen Erpeln und Enten, haben dafür separate Zäune und Stallungen gebaut und passen die Konstellationen an, wenn wir es für notwendig halten. Trotz aller Vorsicht kommt es leider vor, dass einzelne Enten von den Erpeln besonders bevorzugt werden.
Wir finden es sehr gut, dass du dir Gedanken über die Wahrnehmung des Publikums machst, um mögliche Irritationen zu vermeiden. Und es passt auch gut zum in unserer letzten Nachricht beschriebenen Bestreben, dass wir eine offene Kommunikation, Kritik und mehr Transparenz auch innerhalb der Tierschutzszene befürworten.
Viele Menschen verbinden Lebenshöfe oder Gnadenhöfe mit einer heilen Welt, in der Tiere ausschließlich Frieden, Freiheit und Fürsorge erleben. Diese Vorstellung ist jedoch (in vieler Hinsicht) jenseits der Realität und blendet aus, dass Tiere auch auf einem Lebenshof ihre artspezifischen Verhaltensweisen ausleben, die nicht immer harmonisch oder leicht anzusehen sind. Rivalität, Revierverhalten, Vergesellschaftung (Rangordnung inkl. Mobbing) und Fortpflanzungsdruck, also das ganz normale Sozial- und Sexualverhalten, welches insbesondere in Gruppenhaltung deutlich wird, sowie züchtungsbedingte Probleme/Schmerzen/Erkrankungen, verschwinden nicht durch den Ort, an dem ein Tier lebt. Deshalb finden wir solche Szenen unglaublich wichtig zu thematisieren, damit Menschen begreifen, dass Natur per se auch brutal und konfliktreich sein kann – und dass solche Dynamiken auf einem Lebenshof manchmal sogar noch verstärkt werden können, weil die Tiere nicht ausweichen oder flüchten können und die räumlichen Gegebenheiten begrenzt sind, mitunter keine zeitlichen und finanziellen Mittel vorhanden sind, um Gegebenheiten zu ändern/optimieren oder ganz einfach das Wissen darüber fehlt. Als Lebenshofbetreiber und Tierrechtsaktivisten sehen wir es deshalb als besonders wichtige Verantwortung, nicht nur Schutz zu bieten, sondern auch ehrlich zu zeigen, dass das Leben in der Tierwelt komplex ist – und dass echtes Mitgefühl auch bedeutet, diese Realität auszuhalten. Mehr Transparenz von uns Lebenshöfen ausgehend schafft langfristig mehr Bewusstsein bei den Menschen – und das ist aus unserer Sicht ein zentraler Schritt hin zu einem respektvollen, verantwortungsvollen Umgang mit Tieren.
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(1:18:44) Anmerkung Glückliche Inseltiere: Maluhia befindet sich auf dem Weg der Besserung! Die Medikation unserer Vogeltierärztin hat angeschlagen. Sie frisst wieder selbständig und benötigt keine Zwangsernährung mehr. Die einzige Schwierigkeit ist noch, dass der Kropfinhalt sich sehr schlecht abbaut, d.h. ein Verdauungsproblem. Wir hoffen das noch in den Griff zu kriegen. Wenn sie so gut weitermacht, kann Maluhia bald von der Handicap-Gruppe in die große Hühnerhof-Gruppe wechseln. ❤️ […] Und ja, wir gehen davon aus, dass sie sich weiter erholt und noch ein ganz normales Hühnerleben führen kann. Wie lange, das weiß man nie. Jahre oder Monate. Wir hoffen sehr lange.
Nachfrage von Tierrechtslehrer.org: Mir fällt auf, dass da gar nicht die Schnäbel gekürzt sind, ich dachte, das sein Standard in dieser Industrie. – Nee, das ist nicht Standard mit dem Schnäbelkürzen, es ist ja eigentlich auch verboten und wird eigentlich auch nicht mehr gemacht bei diesen Legehennen. Wir haben nur einmal Hennen mit gekürzten Schnäbeln bekommen aus einer Bodenhaltung von Elterntieren. Die waren aber auch in total schlechtem Zustand dann. Und seit dem haben wir nie wieder gekürzte Schnäbel gesehen. – Ah, verstehe. Und wie sieht es dann mit dem picken aus? Hat man dann irgendetwas Unterhaltung verändern müssen? – Ja, die picken sich in den Anlagen natürlich total. Und die kommen gerade aus der Bodenhaltung auch immer in sehr schlechtem Zustand da raus und haben teilweise auch ganz schlimme Pickwunden. Und Natürlich die Federn ausgerupft, ausgepickt durch andere Hennen. Die haben ja da keine Unterhaltung in diesen Bodenanlagen, die haben ja überhaupt keinen Platz da. Denen geht´s da halt auch nicht so gut. – Wahnsinn. Werde das auch noch in die Fußnoten packen. – Aber wenn die dann da raus sind hier bei uns, da picken die sich natürlich nicht mehr. Wenn die Federchen so rauswachsen, dann picken die schon an diesen ganz kleinen Federkielen, weil die halt durchblutet sind und Hühner, wenn sie Blut sehen, ja, dann picken sie da drauf rum. Ansonsten sind dir hier ja so beschäftigt und kennen sich ja auch gegenseitig, wir haben ja nicht so viele, dass die sich nicht mehr kennen können, wie in diesen Anlagen. Und dadurch sind die dann auch friedlich und tun sich gegenseitig nichts mehr.
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(1:25:53) Jessica vom Glückhof hat mich dankenswerterweise auf eine Korrektur hingewiesen: Die Betriebe überlassen uns die Hennen kostenlos – das ist unsere Bedingung. Grundsätzlich haben die Tiere in der Wirtschaft noch einen sehr geringen „Schlachtwert“ von 20-50ct pro Tier, allerdings hebt sich dieser Gewinn für die Betriebe durch Kosten und Aufwand für die Ausstallung und den Transport zum Schlachthof auf. Somit entsteht für den Betrieb weder Gewinn noch Verlust, wenn er uns die Tiere kostenlos überlässt.
Wir übernehmen dabei immer den gesamten Bestand, also alle Tiere eines Betriebs bzw. eines Stallabteils. Dabei handelt es sich um Betriebe aller Haltungsformen (Bodenhaltung, Freilandhaltung, Biohaltung und Mobilstallhaltung). (https://www.rettet-das-huhn.de/leben-retten, eingesehen am 22.06.2025)
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(1:41:00) Martin von Unter derselben Sonne e. V. spricht in dem Film passende Schlussworte. Als Produzent des Films und Ethiklehrer sei mir die Anmerkung gestattet: Die Aussage, dass tierliche Bestandteile wie zum Beispiel Milch oder Eier nicht für den Menschen gedacht seien, ist aus philosophisch-ethischer Sicht problematisch, da sie eine Intentionalität hinter den Erscheinungen voraussetzt, für die wie keine Evidenz haben. Aus der Perspektive mancher religiöser Menschen lässt sich der Konsum tierlicher Bestandteile ausdrücklich deswegen rechtfertigen, weil Tiere von Gott dafür vorgesehen seien.
Nach aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen befinden sich alle Lebewesen in einer evolutionären Überlebenssituation. Dabei spielt die Frage, ob etwas von irgendjemandem (die Natur? Gott?) für etwas oder jemanden „gemacht ist“, keine Rolle. Relevant für die ethische Beurteilung sollte – etwas verkürzt ausgedrückt – allein die Frage nach Interessensverletzungen sein. Das Trinken von Milch findet üblicherweise ausschließlich in interessenverletzenden Kontexten statt.
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Anmerkung des Produzenten:
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Der im Untertitel des Films verwendete Begriff „Person“ mag auf manche provokativ wirken. Entsprechend sich betroffen fühlende Personen mögen dies als Ansporn zu einer Auseinandersetzung mit dem Begriff und mit dem Thema Tierrechte nehmen. Neben einer juristischen hat der Personen-Begriff auch eine moralische Bedeutung. Verwendet Kant den Begriff noch als menschliches Alleinstellungsmerkmal, welches den Menschen „unendlich über alle andere auf Erden lebende Wesen“ erhebe (Anthrop. § 1, zitiert nach „Wörterbuch der philosophischen Begriffe“, Meiner 1998, S. 490), herrscht bei moderneren Denkern ein sehr viel integrativeres Verständnis, bis hin zu Peter Strawson, der in „Einzelding und logisches Subjekt (Individuals)“, Stuttgart 1972, 3. Kapitel (zitiert nach Ladwig) „»Person« als eine Entität“ definiere, „der wir sowohl körperliche Eigenschaften als auch Bewusstseinszustände zuschreiben können. Zu den Personen in diesem Sinne zählen auch viele Tiere, und nicht einmal nur die ❯höheren❮, sondern zum Beispiel auch Amphibien und Fische.“ (Bernd Ladwig: Politische Philosophie der Tierrechte, Suhrkamp 2020, S. 25 (Fußnote 40)).
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