Traumatisierte Tiere als Spiegel unserer Zeit – ein Blick in die Psychotraumatologie von landwirtschaftlich genutzten Tieren
10.08.25, 18 Uhr via Zoom
Bettina Elisabeth Fink, BA
Was macht Gewalt mit einem Tier – und was bedeutet es für uns, wenn wir diese Spuren übersehen?
In ihrem Vortrag „Traumatisierte Tiere als Spiegel unserer Zeit“ eröffnet Bettina Elisabeth Fink einen bisher weitgehend unbeachteten Diskurs in der Öffentlichkeit: den der Psychotraumatologie bei landwirtschaftlich genutzten Tieren. Aus ihrer Perspektive als Sozialpädagogin mit Weiterbildung in Psycho-Traumatologie und langjähriger Lebenshofleiterin des AndersGut in Niederösterreich wirft Bettina Fink einen fachlich fundierten, aber auch zutiefst persönlichen Blick auf ein Thema, das in Pädagogik, Ethik und Bildungsarbeit oft viel zu wenig Raum bekommt.
Die Wurzeln ihres Interesses liegen im Studium: Als sie sich mit menschlichen Trauma-Folgestörungen beschäftigte, erkannte sie auffallende Parallelen zu dem Verhalten jener Tiere, die auf ihrem Lebenshof AndersGut leben – Tiere, die in der industriellen Landwirtschaft meist keinen Platz mehr haben, weil sie krank, „nicht leistungsfähig“ oder auffällig sind.
Symptome wie Rückzug, Dissoziation, aber auch plötzliche Aggression oder Teilnahmslosigkeit erschienen ihr auf einmal nicht mehr wie „Verhaltensstörungen“, sondern wie das, was sie bei Menschen gelernt hatte zu erkennen: Reaktionen auf Überwältigung, auf Angst, auf Kontrollverlust.
Dieser Moment veränderte die gesamte Wahrnehmung und führte zu einer tiefen Auseinandersetzung mit der Frage, wie wir tierliches Erleben verstehen, sichtbar machen und ernst nehmen können. In ihrer Arbeit als Sozialpädagogin und Co-Gestalterin einer tiergestützten Wohngemeinschaft für Jugendliche (Land Niederösterreich) entwickelte Fink ein besonderes Gespür für Bindung, Beziehung und Resonanz, auch über Speziesgrenzen hinweg.
Heute setzt sie sich dafür ein, dass tiergestützte Pädagogik nicht nur den Menschen ins Zentrum stellt, sondern auch das Tier als fühlendes, soziales und lernendes Wesen anerkennt. Ihre Sichtweise fordert dazu auf, gängige Konzepte von Tierhaltung, Nutzung aber auch pädagogischem Einsatz kritisch zu hinterfragen und stattdessen raumgebende Begegnungen auf Augenhöhe zu schaffen.
Ein Vortrag, der wissenschaftliche Erkenntnisse, biografische Tiefe und ethischen Mut miteinander verbindet und der Tiere nicht nur als Helfer, sondern auch als Zeugen und Spiegel gesellschaftlicher Gewaltverhältnisse sichtbar macht.
Demokratie ohne Tiere? – Warum politische Bildung Speziesismus thematisieren muss
Der Vortrag fand am 20.07.25 auf Zoom statt.
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Joshua Steigert (B. A.), Lehramt Sekundarstufe 1, Mathematik & Sport

Joshua Steigert stellt während der offenen Live-Veranstaltung zentrale Gedanken seiner Bachelor-Arbeit vor. Er argumentiert für eine aus der Tierethik resultierende Notwendigkeit posthumanistischer Bildung, die sich mit anthropozentrischen Strukturen auseinandersetzt und Speziesismus in Verbindung mit anderen Unterdrückungsformen wie Rassismus oder Sexismus in schulische Bildungsprozesse mit einbezieht.
Bisher bleibe schulische Demokratiebildung unvollständig, da Abweichung von und Kritik an speziesistischer Konvention weitestgehend verunmöglicht werde. Das im Beutelsbacher Konsens fixierte Kontroversitätsgebot erfordere hingegen, normalisierte und somit unsichtbar gemachte Machtstrukturen als Kontroversen erkennbar zu machen.
Die Original-Bachelor-Arbeit wird nach der Veranstaltung unter Ressourcen > Literatur zur Verfügung gestellt!
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Ich habe mich heute erstmalig getraut dem Lehrerrat mitzuteilen, dass bei Kollegiumsabenden immer Steakrestaurants und co. ausgewählt werden und Veganer mehr berücksichtigt werden sollten. Dazu hat mich unter anderem die Gruppe hier motiviert, danke euch 😊 VT

