Lesung von Jana Fuhrmann in unserer Aula für Deutsch-Klassen des 10. Jahrgangs (2025)

Hintergrund

Als ich den Ende April 2025 erschienenen Jugendroman „Dann kannst du nicht mehr wegsehen“ (Partnerlink) von Jana Fuhrmann las, war ich restlos begeistert! Ein vielschichtiges Werk im Umfeld der Tierrechtsbewegung. Neben der aktivistischen Auseineinandersetzung mit der Tierausbeutungsindustrie lässt uns die Protagonistin Jella stellvertretend an zahlreichen weiteren Facetten ihres Lebens teilhaben. Es geht um Sinnfindung, Lebensorientierung, Freundeskreise, familiäre Beziehungen, psychische Gesundheit, sexuelle Identität und natürlich auch ein wenig – um Liebe.

Der Roman bietet eine besondere Herausforderung, denn in der Rahmenhandlung geht es um die kritische Auseinandersetzung mit einer schier unerträglich grausamen, jedoch von einer überwältigenden Mehrheit als völlig normal empfundenen Gegenwartskultur. Während Schullektüren in der Regel durchaus sehr wichtige und auch kontroverse Themen in einer gewissen zeitlichen oder fiktiven, somit abstrakten Distanz transportieren, macht Jana Fuhrmann Ernst mit ihrer direkten Herausforderung an das Bekenntnis zur Aufklärung. Eine der radikalsten und notwendigsten Forderungen der Aufklärung ist sicher der auf das Subjekt gerichtete kritische Blick, die kritische Selbstreflexion, wie Adorno es formuliert.

Ebendieser Blick auf sich selbst stellt in jedem Alter eine große Herausforderung dar, vermutlich unabhängig vom Bildungsgrad. Kein Wunder also, dass das Vorhaben der Lesung mitunter auf Reaktanz stieß, sowohl bei Lernenden also auch bei Lehrkräften. Um so glücklicher der Umstand, dass an unserer Schule das Vorhaben dank der unterstützenden Kräfte umgesetzt werden und ein wichtiges Zeichen für Aufklärung gesetzt werden konnte!

Insofern die Lesung sich im Ablauf in viele der bereits stattgefundenen eingereiht hat, lässt sich von einem großen Erfolg sprechen. In den Diskussionspausen, gab es mitunter kontroversen, jedoch stets von Respekt getragenen Austausch, die vorgetragenen Inhalte haben sicher anregende Spuren hinterlassen.

Jana Fuhrmann hat mit diesem Jugendroman eine wichtige Tür für das Thema Tierrechte geöffnet.

Vortrag Dr. Raffaela Raab in unserer Aula für die beiden letzten Abiturjahrgänge zum Thema Tierrechtsaktivismus (2023)

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Projektbeschreibung:

Mit Dr. Raffaela Raab war ich via Instagram in Kontakt. Nachdem sie mehrmals den Wunsch geäußert hatte, einen Vortrag an einer Schule zu halten, nahm ich das Projekt in Angriff. Zunächst musste ich wesentliche Beteiligte für ein gemeinschaftliches Vorhaben gewinnen. Das waren die Fachschaften Ethik und Religion sowie die Schulleitung. Dazu waren folgende Gedanken zielführend:
Auffällig ist der Umstand, dass sowohl im Fach Ethik als auch im Fach Religion an unterschiedlichen Stellen das Thema „Tierethik“ auf dem Lehrplan steht. Dabei lassen sich aus beiderlei Perspektiven tierethische Normen ableiten, denen wir in unserem Schul- und Lebensalltag nicht ansatzweise gerecht werden, im Umfeld der Rheingauschule mag man geradezu von einem Tabu sprechen.
Auf der Website der Evangelischen Kirche in Deutschland heißt es gar:
„Zum Auftrag der Kirche gehört es, ‚den Mund aufzutun für die Stummen und für die Sache aller, die verlassen sind‘ (Spr 31,8). Zu diesen gehören auch die
Tiere.“ (https://www.ekd.de/tier_1991_tier5.html)
Thematische Anknüpfungspunkte sind überdies für den Biologieunterricht sowie für Politik und Wirtschaft gegeben. Dazu ist unter vielen anderen die Arbeit des Professors für politische Philosophie Bernd Ladwig beachtenswert: https://youtu.be/AR1Xe1FHM6w
Es besteht also eine erstaunliche Diskrepanz zwischen unserem Bildungsauftrag und der wahrgenommenen Relevanz für unser Schul- und Alltgsleben. Gleichzeitig bemühen wir uns sehr stark darum, andere Werte wie Bewegung, Gesundheit, Nachhaltigkeit, kulturellen Austausch sowie humane Entwicklungshilfe in unser Schulleben zu integrieren. Es ist höchst Zeit, auch Tiere als ethisch zu berücksichtigende Wesen anzuerkennen und ihre Interessen ernst zu nehmen.
Bislang haben wir uns noch nie die Frage nach Möglichkeiten gelebter Tierethik in verschiedenen Bereichen unseres Schullebens gestellt. Raffaela Raabs Besuch können wir als Anstoß und Chance für einen längst überfälligen dauerhaften Austausch mit der Perspektive der Gründung einer neuen Arbeitsgruppe sehen.
Es fanden zwei 90-Minuten-Vorträge hintereinander für zwei verschiedene Jahrgänge statt, ich selbst übernahm die Rolle des Moderators während der anschließenden Frage- und Antwortrunde.
Die Veranstaltung verlief tadellos und wurde im Nachhinein als Erfolg bewertet. Allerdings verebbte das Thema danach vollständig. Versuche, mit Kolleginnen und Kollegen weiter etwas organisiert im Austausch zu bleiben, scheiterten „aus Zeitgründen“.
 

Folgende weitere Hürden waren zu nehmen:

Raffaela erhielt für ihren Besuch an unserer Schule kein Honorar. Als Ausgleich für Ihren Aufwand bat sie darum, filmen zu dürfen. Ich musste also im Namen von Raffaela bei der Schulleitung eine Drehgenehmigung beantragen, zustimmen mussten allerdings auch das Staatliche Schulamt Wiesbaden sowie der Rheingau-Taunus-Kreis. Diese wurde erteilt unter der Bedingung, dass auch die Eltern zustimmen würden! Dazu verfasste ich diese Datenschutzerklärung.
Selbstverständlich gab es etliche kritische Stimmen im Hintergrund, der Schulleiter erhielt auch einige protestierende E-Mails aus der Elternschaft. Es ist ihm hoch anzurechnen, dass er trotz solcher Widerstände zu dieser nach außen kontrovers erscheinende Veranstaltung stattfinden ließ.
Insgesamt bestand die Auflage, dass die Veranstaltung vor- und nachbereitet werden müsse. Die Lernenden sollten also zuvor auf das Thema vorbereitet werden, und zwar mit Materialien, das verschiedene Perspektiven bzw. „auch einen Gegenpol“ beinhalten sollte. Da auch die meisten der beteiligten Lehrkräfte nur über rudimentäres Wissen zu diesem Thema verfügen, habe ich das Dokument Vorbereitung Tierethik in der Schule zusammengestellt und an alle beteiligten Lehrkräfte verschickt. Die Seiten 2 und 3 waren für Lernende bestimmt.

Projektwoche: Praktisch vegan (2022)

Die Projektwoche sollte unter dem Motto „Nachhaltigkeit“ stattfinden. Es galt also das Projekt „Praktisch vegan“ entsprechend einzuordnen.

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Projektbeschreibung:

Nachhaltigkeit kann nicht sinnvoll ohne den Begriff der Gerechtigkeit gedacht werden. Ungezügelte Bedürfnisbefriedigung fällt nicht nur auf uns selbst zurück, sondern es beschneidet auch andere in der Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse. Doch wer ist das, „die Anderen“? Wer nur Menschen im Blick hat, schränkt den Begriff der Gerechtigkeit ungebührlich ein. Dass in der gesamten Nachhaltigkeitsdebatte ausschließlich menschliche Bedürfnisse im Zentrum stehen und die individuellen Interessen von Tieren kategorisch ausgespart bleiben, lässt sich argumentativ nicht plausibel rechtfertigen. Deswegen wollen wir in diesem Projekt bewusst den Fokus auf die Interessen von Tieren legen, ohne dabei unsere eigene kulinarische Bedürfnisbefriedigung außer Acht zu lassen.
Dazu ist es nötig hinzusehen. Nach dem Philosophen Robert Spaemann gibt es Dinge, „die man nur sehen muss, um zu sehen, dass sie nicht sein sollen“. Deswegen wollen wir über Filme Grausamkeit gegenüber Tieren sichtbar machen. Dabei wollen wir unser eigenes Bedürfnis nach gutem Essen nicht vernachlässigen und erkunden die Welt veganer Speisen, Getränke und auch Süßigkeiten. Wir werden einiges zubereiten und verkosten. Außerdem erkunden wir im Supermarkt, wo sich überall tierliche Produkte verstecken und welche Produkte frei von Tierausbeutung produziert wurden.
Evtl. besuchen wir auch ein veganes Café in Geisenheim. Dass eine rein pflanzliche Ernährungsweise in der Regel auch weniger Ressourcen verbraucht, ist ein netter Nebeneffekt, im Zentrum steht aber ein umfassendes Verständnis von Gerechtigkeit, das auch die Interessen von nichtmenschlichen Tieren berücksichtigt.
 

Downloads der Arbeitsblätter inkl. Quellen gezeigter Filme (PDF):

 

Rezept für vegane Spaghetti Bolognese

Zutaten für ca. 5 Portionen:

1 x Gewürzzwiebel
1 x Räuchertofu oder Sesam-Mandel-Tofu, 250 Gramm-Packung
1 x Tube konzentriertes Tomatenmark
1 x Packung passierte Tomaten, 500 Gramm
1 halbes Glas Rotwein

Gewürze: Salz, Pfeffer, Thymian, Majoran, Oregano, Basilikum, Kräuter der Provence

Zubereitung:

Herd auf ca. 1/4 Maximalhitze einstellen
2 Teelöffel Olivenöl in Pfanne oder Topf leicht erhitzen
Zwiebel in kleine Stücke schneiden und glasig andünsten
Tofu mit Gabel zerbröseln und hinzugeben
Tomatenmark dazugeben
Rotwein hinzugeben und warten, bis die Flüssigkeit verdampft ist (ca. 5 Minuten)
Passierte Tomaten hinzugeben

Kräftig würzen (schmeckt am nächsten Tag noch besser)

Nach Bedarf Spaghetti kochen und Soße darüber geben.

Hier ist mein erstes öffentlich sichtbares Projekt aus dem Jahre 2011:

Damals nahm ich mit meinem E-Phase-Kurs (1. Jahrgang der gymnasialen Oberstufe“) an einem vom Hessisches Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz zusammen mit der Hessischen Tierschutzbeauftragten Dr. Madeleine Martin ausgeschriebenen Schulwettbewerb zu dem Thema „Verhältnis von Mensch und Tier“ teil.

Ablauf des Projekts und Ressourcen:

Das auf den Fotos schwer lesbare große Informationsplakat (Download PDF)
Projekteinrichung beim Hessischen Ministerium für Umwelt, Energie, Landwirtschaft und Verbraucherschutz (Download PDF, ausführliche Beschreibung der Auswirkungen der Ausstellung!)
Schreiben des Gesundheitsamts des Rheingau-Taunus-Kreises (Download PDF)
Mein stürmisch verfasster Brief an das Kollegium (Download PDF)
Der in der Projekteinreichung erwähnte verbotene Flyer (Download PDF)

Buchempfehlung!
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Bist du selbst vegan lebende Fachkraft für Bildung, Erziehung und Pädagogik?

Dann möchte ich dich einladen, unserer Whatsapp-Gruppe und / oder unserem Mitgliederbereich beizutreten. Dort tauschen wir uns aus und unterstützen uns gegenseitig. In unregelmäßigen Abständen treffen wir uns auch in Videokonferenzen.

Bedingung: Du lebst vegan und bist Fachkraft für Bildung, Erziehung oder Pädagogik (auch wenn du dich noch im Studium bzw. in der Ausbildung befindest, bist du willkommen!) ODER du führst freie Schulprojekte durch und hast bereits mindestens ein Projekt an einer Schule durchgeführt.

Dann schreibe mir gern über das Kontaktformular oder über eines der sozialen Medien.

Ich habe mich heute erstmalig getraut dem Lehrerrat mitzuteilen, dass bei Kollegiumsabenden immer Steakrestaurants und co. ausgewählt werden und Veganer mehr berücksichtigt werden sollten. Dazu hat mich unter anderem die Gruppe hier motiviert, danke euch 😊 VT

Olivia